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Prof. Dr. Karl Dieter Schuck, Professor für die behindertenpädagogische Psychologie und Diagnostik an der Universität Hamburg "Auf Noten kann in einem auf Förderung hin orientierten System gänzlich verzichtet werden." 25.09.2007 Herr Prof. Dr. Schuck berät die Hamburger Schulbehörde und war so freundlich uns ein sehr umfangreiches Interview zu geben. Aus Platzgründen lesen Sie hier die verkürzte Form. Das komplette Interview finden Sie hier. Welche Form der Leistungsbewertung in Integrationsklassen befürworten Sie? a) Ziffernzeugnisse b) Ziffernzeugnisse mit ergänzenden Lernentwicklungsberichten c) Ausschließlich Berichtszeugnisse (Lernentwicklungsberichte) Als behindertenpädagogischer Psychologe interessiert mich vor allem die Frage, ob und auf welche Weise Leistungsfeststellungen und Leistungsbewertung der chancengerechten Förderung aller Kinder im gesamten Heterogenitätsspektrum und in jeder schulischen Organisationsform dienen. ...Noten, so wie sie in unseren Schulen vergeben werden, sagen nur wenig aus über die tatsächlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern. ...In der Fachliteratur wird immer wieder hervorgehoben, welche Funktionen Noten und Zeugnisse haben. Was sollten Ihrer Meinung nach Kinder in Integrationsklassen durch die Beschreibung und Bewertung ihrer Leistungen erfahren? Unterricht und Förderung sollte für alle Kinder von einer Wertschätzung individueller Lernprozesse auch und gerade in Zeiten getragen sein, in denen nach Qualitätssicherung durch andauernde Leistungsvergleiche gerufen wird. Es darf, durch viele theoretische Konzepte und empirische Belege gestützt, angenommen werden, dass der wertschätzende Umgang mit heterogener menschlicher Aneignungstätigkeit eine wesentliche Bedingung für optimale Bildungsbiographien ist. Lehrkräfte sollten sich durch die Organisation von Schule und Unterricht nicht als Kontrolleure und Sanktionierer, sondern als Lernbegleiter und -berater präsentieren können. Das sind sie von ihrem Selbstverständnis her in vielen PISA-Siegerländern. Verfahren der Leistungsbeschreibung und Leistungsbewertung zur Gestaltung und Begleitung der Förderung werden zukünftig um so erfolgreicher sein, je variantenreicher und transparenter mit unterschiedlichen Bezugssystemen für die Bewertung dem sich entwickelnden, lernenden und um Partizipation ringende Kind begegnet wird. Alle Kinder sollten in der Schule alltäglich erfahren, dass die Leistungsbeschreibung und Leistungsbewertung zuallererst der Lernprozessbegleitung und der Gestaltung von Lernprozessen dient. Darauf haben alle Kinder einen Anspruch. Hätten wir eine wirklich integrative Schule, würde die heute dominierende Selektionsfunktion der Bewertungstechniken überhaupt keine Rolle mehr spielen können. Welche Gründe sprechen dafür die Leistung von Schülern in Integrationsklassen nur in Form von Lernentwicklungsberichten zu bewerten? ...Die Forderung nach Lernentwicklungsberichten ist dabei nur eine Blume, die erst dann wirklich erblühen kann, wenn die Bewertungspraxis grundlegend verändert wird. Fachlich wäre das Problem durchaus zu lösen, und zwar durch die Verwendung unterschiedlicher Maßstäbe (d. h. Bezugssysteme) für die Leistungsbewertung. Eltern haben das Recht zu wissen, ob ihr Kind die Bildungsstandards erfüllt. In welcher Form ließe sich dies in Integrationsklassen umsetzen? Zunächst haben alle Kinder nach meiner Argumentation ein Recht darauf, ihre Lernentwicklung und ihr Lernergebnis auf dem Hintergrund der jeweiligen Lerngegenstände, und zwar ohne Berücksichtigung der Leistungen anderer gespiegelt zu bekommen. ...Auch das Recht der Eltern wäre durchgesetzt, etwas über die Erfüllung von Bildungsstandards durch ihre Kinder zu erfahren. Ist die einheitliche Leistungsbewertung in Integrationsklassen Gleichmacherei? Wenn wir in diesen Fragen weiter kommen, wäre klar, dass eine einheitliche Leistungsbewertung in Integrationsklassen keine Gleichmacherei ist, sondern dass damit das Recht aller Kinder verwirklicht wird, alle für ihren eigenen Entwicklungsprozess förderlichen Rückmeldungen zu bekommen. Die Fragen stellte Hanno Kleist für integration-hamburg.info. Das komplette Interview finden Sie hier. Fragen oder Anregungen werden gerne online entgegengenommen. |
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